Whenever life gets you down, Mrs. Brown…

Veröffentlicht am 7. Oktober 2008
Einsortiert unter Geschichten, Reisetagebuch
Verschlagwortet mit , , , ,

Etwa 2 Minuten Lesedauer

9 Uhr 40

Ich verlasse das Haus mit der üblichen Zehn- Minuten- Verspätung. Eigentlich kann ich das garnicht mehr sagen. Zehn Minuten früher zu gehen würde Stress bedeuten. Zehn Minuten eher aufzustehen… Naja, ich bin schon froh, dass ich mich meiner Wunschaufstehzeit annähere. Egal. Ich verlasse das Haus und habe eine Zeitung.

Grausames, gemeines Leben: 0
Marcus: 1

9 Uhr 46

Meine Straßenbahn kommt. Sie ist erschreckend leer. Ich werfe einen verstörten Blick auf die Uhr um mich zu vergewissern, dass ich mich nicht um eine Stunde vertan habe. Wurden die Uhren umgestellt und keiner hat mir etwas gesagt? Dem ist nicht so. Ich beschließe, es zu genießen. Juhu!

Grausames, gemeines Leben: 0
Marcus: 1½

Sieht gut aus für mich.

9 Uhr 50

Ich bin an der S-Bahn. Hier sieht es bekannt aus. Die S85 fällt wegen «Verzögerungen im Betriebsablauf heute leider aus», sagt die nette Computerstimme. «Wir bitten um Verzeihung.», sagt die nette Computerstimme. Computerstimmen am Bahnhof geben der Sache etwas unpersönliches. Und eine Entschuldigung vom Band kann nicht ernst gemeint sein. Egal. Ich lese weiter Zeitung.

9 Uhr 55

Zur Abwechslung sagt mir heute mal die gleiche Computerstimme, dass «sich die Ankunft der Ringbahn S42 um wenige Minuten verspäten» werde. Zwei davon sind schon einmal um.

Grausames, gemeines Leben: ½
Marcus: 1½

9 Uhr 56

Auch die S8 wird digital entschuldigt.

9 Uhr 57

So. Die «wenigen Minuten» sind jetzt um. Die Bahnangestellte, die sich offensichtlich in ihrem Häuschen verschanzt hat, entschuldigt sich nun auch, sagt uns aber, dass die nächste Ringbahn schon an der Frankfurter Allee sei und in zehn Minuten käme. Spontan verlässt der halbe Bahnhof den Bahnsteig.

Grausames, gemeines Leben: 1
Marcus: 1½

10 Uhr 3

Die Bahnfrau tut es wirklich leid. Ihre Aufgabe wird nicht besser. Die Nord-Süd-Verbindung würde auch nicht mehr fahren. Jetzt ist der Bahnhof leer. Wir stürzen uns in die nächste Straßenbahn.

Grausames, gemeines Leben: 1½
Marcus: 1½

10 Uhr 8

Die Straßenbahn ist zu 250% voll. Jippie. Glücklicherweise habe ich einen Platz an der Tür mit Möglichkeit zum Anlehnen erwischt. Frischer Ratensauerstoff ist mir also gewiss.

Grausames, gemeines Leben: 1½
Marcus:2

10 Uhr 21

Ich am Alex. Kommt eine Straßenbahn für mich?

10 Uhr 22

In 12 Minuten. Das ist mir zu lang.

10 Uhr 25

Am Hackeschen Markt. Die Ost-West-S-Bahnen fahren noch, die ICEs nicht.

10 Uhr 31

Die M1 fährt SEV. Juhu. Ich laufe.

Grausames, gemeines Leben: 2
Marcus: 2

10 Uhr 33

Der SEV fährt an mir vorbei. Juhu.

Grausames, gemeines Leben: 3
Marcus:2

10 Uhr 41

Ich bin auf Arbeit. Da hätte ich auch laufen können.

Grausames, gemeines Leben: 4
Marcus: 2

10 Uhr 45

Am Arbeitsplatz bemerke ich die Schweißflecken unter meinen Armen.

Grausames, gemeines Leben: 5
Marcus: 2

Zieh Dir was Warmes an, sagen sie. Es ist Herbst, sagen sie. Nicht dass Du Dich erkältest, sagen sie.

Grausames, gemeines Leben: 6
Marcus: 2

Ich fühle und rieche den Schweiß.

Grausames, gemeines Leben: 7
Marcus: 2

Das Hemd habe ich vor anderthalb Stunden frisch angezogen.

Grausames, gemeines Leben: 8
Marcus: 2

Ich hasse dieses Spiel.