Punk never dies

Veröffentlicht am 9. Dezember 2007
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Punk: Aufbegehrende Jugendliche, die versuchen, sich dem Mainstream zu entziehen, indem sie die Sprache ihrer Vorgeneration auf eine Verwandlungsreise mitnehmen und sich durch einen Ewig-Anti-Mainstream-Look vom Establishment abgrenzen. Wie erfolgreich dieses Vorhaben ist, kann nur die Zeit beantworten.

Gestern konnte ich TV Smith live erleben. Der inzwischen 51jährige ist eine durchmischte Erscheinung: Hager wie Kollege Iggy Pop, ein verschmitztes Lächeln wie Bruno Jonas vom Scheibenwischer, musikalisch ein wütender, junggebliebener Dylan. Und doch ist es erschreckend, wie wenig anstößig Punk klingt, wenn er mit nur einer verstärkten Akustikgitarre gespielt wird. Da hilft kein Fuchteln und kein Wedeln: Das ist ganz einfache politische Folkmusik. So ist also Punk wieder in dem Haus angekommen, dass es wild-pubertär aufbegehrend einmal verlassen hatte, um die Welt zu erobern. »Punk’s not dead« stimmt noch immer, allerdings ist er irgendwie sehr erwachsen geworden.

Dem hätten die anwesenden bürgerlichen Groupieabiturientinnen zwar nicht gern zugestimmt, doch tief in ihrem Inneren, wenn sie nämlich einen Moment innehielten und ihre Körper nicht freimütig an verlebte Legenden der Elterngeneration feilböten, hätten sie feststellen können, dass sie mehr mit ihren Altvorderen verbindet, als ihnen lieb sein sollte.

Punk ist eine gesellschaftliche Anti-Haltung, aber keineswegs eine Anti-Monetäre. Sicherlich haben einige einen harten Weg nach oben gemacht, heute sind die Wege auch deshalb kürzer und weniger lehrreich. Wenn man nur in ein weiches Kissen fallen kann, ist der Abgrund kaum gefährlicher als eine Treppenstufe. Nur Angst macht radikal, treibt an. Die hageren, wilden Punks von damals wurden von den Rebellen der Jungen Union beerbt.

Schade eigentlich.