wie der Beginn eines schlechten sat1-Films…

Rubrik(en): Geschichten, les études. Veröffentlicht am 15. Mai 2008 um 16:54 Uhr.

Der Spreewald – eine Wald-und-Wasser-Idylle für Spechte und Rentner.

Fast geräuschlos schiebt sich eine vollbesetzte Teutonengondola durch die Landschaft. Die tiefsinningen Gespräche der Omas und angeheirateten Großtanten haben sich auf ein Mindestmaß reduziert – wohl zur Freude der mitgebrachten Opas und Großonkel. Andächtig genießt man die Rufe eines fernen Kuckucks, schaut dem Specht beim Klettern in den Bäumen zu und freut sich still über kopulierende Libellen.

Urplötzlich wird diese Genussruhe jäh durch ein klingelndes Telefon unterbrochen. Instinktiv packen alle vorsorglich ihre Fackeln und Entermesser aus, um den Störenfried hinter der nächsten Flußbiegung gebührend in Empfang zu nehmen.

Kameraschwenk. Ein rotes Paddelboot eiert auf einem Spreearm herum. Hinten ein sonnenbebrillter adretter junger Mann mit Hut, vorn eine nicht minder ansehnliche Langhaarblondine. Sie versucht das Boot zu steuern, er greift hin und wieder korrigierend ein, damit das Böotchen möglichst mittig im Wasser bleibt. Ständig klingelt ein Telefon. Sein Telefon. Nicht nur, dass er ständig Gratulationsanrufe annimmt, anstatt einfach die Landschaft zu genießen – nein, dieser posturbane Zivilisationsjunkie muss natürlich  j-e-d-e-m  lauthals sagen, wie schön das hier ist. Ihr bluten langsam die Ohren. Und als ob das nicht schon genug ist, gesellt sich Murphy zwischendurch mit all seiner Härte dazu. Daher muss Monsieur Chapeau eine geschlagene Stunde irgendwelchen Computerkram telefonierend dirigieren. Und dass es ihm wirklich Leid tut, nimmt sie ihm seit einer halben Stunde schon nicht mehr ab: Kaum dass er aufgelegt hat, klingelt schon wieder das Telefon. »Nee, wat schön! Und so ruhig is dit hia!«

Just in diesem Moment erreichen beide Boote die gleiche Kurve und befinden sich augenscheinlich auf Kollissionskurs. Die Teutonenherzen schlagen vor Freude Purzelbäume. Doch behende, das Telefon in die Schulter geklemmt und weitertelefonierend, versucht er, ihr zu dabei helfen, den Fast-Teutonen-a.D. möglichst aus dem Weg zu fahren. Knapp außer Reichweite gleiten sie – den Angstschweiß auf der Stirn – an der wutgelandenen Rentnergallere vorbei. Der Gondoliere wünscht ein Funkloch. Er sich auch. Irgendwie.

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  2. Ankommen.
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