Exzessives Vergleichen.

Rubrik(en): blog. Veröffentlicht am 9. November 2011 um 15:03 Uhr.

Ich lerne ja immer dazu. Heute, also jetzt gerade eben erst, habe ich gelernt, dass es Sprachen gibt, die mehr als nur drei Formen kennen, um auszudrücken, wie etwas miteinander verglichen wird.

Wiederholung. Im Deutschen ist es recht einfach: Wir haben einen Positiv (Dieser Berg ist hoch.), einen Komparativ (Der da drüben ist aber höher.) sowie einen Superlativ (Der Everest ist am höchsten.). Also klein, mittel, groß und das ist auch schon alles.

Eigentlich.

Das Neugriechische etwa kennt noch eine weitere Form – den Elativ. Der Elativ steht über dem Superlativ. (Toll, oder?) Um in den Beispielen von vorhin zu bleiben: Die Griechen kennen also eine Form, mit der man den Everest sogar noch toppen kann. (Großartig, oder?) Damit muss man nämlich nicht ständig alles relativieren. (Der Everest ist der bislang höchste Berg.) Allerdings kann man einen Elativ auch im Deutschen abbilden. (Auch toll, oder?)

Bei Wikipedia fand ich folgende Erklärung dazu:

Superlativ: »Wir arbeiten mit den modernsten Maschinen ihrer Art.« (vergleichend)
Elativ: »Wir arbeiten mit modernsten Maschinen.« (Unabhängig von anderen Maschinen sind die Maschinen herausragend.)
Elativ (Partikel): »Wir arbeiten mit extrem modernen Maschinen.«
Elativ (Präfix): »Wir arbeiten mit hochmodernen Maschinen.«

Entweder verwenden wir also den Superlativ nicht vergleichend oder wir schnappen uns den Positiv des gewünschten Adjektivs und pappen etwas davor.

Im nichtschriftlichen Sprachgebrauch wird der Elativ übrigens häufiger gefunden als man denkt.

Oft erscheinen bei den beiden letzten Formen lokalen Mundarten oder Soziolekten entsprungene Wörter. Präfixe wie »erz-«, »schwer-«, »super-«, »mega-«, »ur-«, »end-«, »ober-« werden zur Bildung von beispielsweise »erzgewaltig«, »schwerreich«, »superschnell«, »megavoll«, »urheiß«, »endschnell« und »oberheftig« herangezogen. Entsprechende Intensivpartikeln sind »konkret«, »voll«, »fett«, »krass«, »übel«, »derbe«, »hammer«.

Also verwenden wir tagtäglich die griechische Grammatik, weil die deutsche megaschwer ist. (Und das für umme! Die könnten sich damit glatt sanieren, wenn die Lizenzgebühren fordern würden.)

Und Superlative ohne Endung sind auch Elative (höchst, freundlichst). Wikipedia kommt dann aber gleich mit dem bösen Hyperlativ um die Ecke. (Naiverweise nahm ich zunächst an, diese Aneinanderreihung von Präfixen der übelsten Sorte wäre schon hyper. Vielleicht könnte man die stattdessen hysterische Komparativpräfixe nennen?) Einn böser Hyperlativ ist beispielsweise ein zusammengesetztes Adjektiv, das während des Steigerns überbeansprucht wurde, denn: Entweder man hat ein zusammengesetztes Adjektiv oder man steigert es. Beides zusammen geht nicht. Denn dann werden bösartigste Wortmonster erschaffen (die bestmöglichste Lösung), die nur Pest und Verderbnis bringen. Darunter auch meine beiden Lieblinge: Die optimalste Lösung und der einzigste Ausweg. Zwei Möglichkeiten gibt es allerdings, solche Hyperlative einzusetzen, ohne die Sprache zu vergewaltigen. Entweder man heißt Johann Wolfgang von Goethe, dann lässt die Sprache sowieso alles mit sich machen, oder man deklariert es als rhetorisches Mittel. Das allerdings hat den Nachteil, dass man dann auch etwas damit bezwecken wollen muss. Also nicht nachzudenken, den Hyperlativ eher aus Versehen zu verwenden und dann hinterher sagen »Das war jetzt Rhetorik«, das geht dann nicht. (Es sei denn, man zaubert auf die Schnelle eine Erklärung aus dem Hut.)

Die bombastischen Basken wiederum haben einen Elativ, den man Exzessiv nennt. Im Staate Dänemark kommt mir einiges sehr spanisch vor. Italien ist noch viel spanischer als Dänemark. Griechenland ist am spanischsten. Spanien ist mir zu spanisch.

 

Ist das nicht alles größtartigst?

Wieder in Berlin

Rubrik(en): Geschichten. Veröffentlicht am 19. August 2009 um 12:53 Uhr.

20 Uhr 44. Drei Flaschen vorzüglichen Rieslings im Gepäck treffe ich im Neuköllner Epizentrum der studentischen Feierlaune meines Matrikeljahres ein. Johanna mit den frisch gewaschenen Haaren öffnet die Tür, Laura muss noch malochen. Eine muss schließlich das Geld verdienen.

20 Uhr 45. Vom vielen Reden sind uns die Kehlen ganz trocken und rau. Um unserer Selbst willen suchen wir fieberhaft nach Lösungen, Johanna hat Weißen im Kühlschrank gefunden, der wird zur ersten Hilfsmaßnahme erklärt.

Mehr davon »

Mein Leipzig lob ich mir

Rubrik(en): Reisenotizen. Veröffentlicht am 14. Juni 2008 um 23:31 Uhr.

Samstag Abend in Leipzig. Zu spät fürs Autokino, zu früh zum Tanzen. Planlos fahren wir in die Stadt. Am Augustusplatz ist eine Bühne aufgebaut. Bachfest! Erst All You Can Bach, danach All You Can Dance. Fantastisch. Der olle Goethe hatte ganz recht: Mein Leipzig lob’ ich mir.