Herbstgedicht

Rubrik(en): Gedichte, les études. Veröffentlicht am 24. August 2010 um 21:46 Uhr.

fahles Licht klatscht ans Fenster
Wind treibt Faltblätter
düster schimmert Regen
Fäulnis im Blumentopf

Riesen im Wald
im Halbdunkel schwanken
müde ihre Schatten
Einsamkeit stählt nicht

Heißer Tee dampft
Honig tropft golden
sinkt langsam abwärts
löst sich auf

hilfloses Warmwasser
gurgelt unterm Fenster
müde verschwindet
grauverschleierte Sonne

100824

betrieben

Rubrik(en): Gedichte, les études. Veröffentlicht am 15. Juni 2010 um 9:45 Uhr.

treiben verfängt sich schweben
schweigen verstummt alles
worte stehen lose

schatten folgen schattenfolgen
wege flüchten den schatten
verfluchte schattenflucht

sonniges versteck
hinterm mond
kalt, klar, nüchtern
und doch: licht.

gemütliche neonröhren
schlagen aufs gemüt
ein. mal will ich sein
ohne zu schweigen

Letztes Gespräch

Rubrik(en): Gedichte, les études. Veröffentlicht am 4. Mai 2010 um 18:51 Uhr.

Wir sind hier
wo wir immer waren.
Du sagst:
Wir müssen reden.
Wo wir jetzt stehen,
sagst du,
und gehst.

Du bist gegangen
und willst doch bleiben
So rede doch,
sagen wir,
fragen wir,
wohin dieser Traum denn führt,
im Gehen schon.

Wir kommen wieder,
Nachdem du wiederkommst
Du musst
jetzt gehen. Wir
können nicht bleiben
Es ist wohl Zeit.

Du schaust auf die Uhr
Wir blicken zurück.

Geh’,
sagen wir,
sonst kommst du zu spät.

100504


mit tatkräftiger Unterstützung von miescha

Sonntag.

Rubrik(en): Gedichte. Veröffentlicht am 18. April 2010 um 21:17 Uhr.

Draußen ist’s Frühling.
Auf der Straße bellen Hunde.
In den Bäumen singen Vögel.
Sonne wärmt die Balkone.

Von irgendwo Schreie.
Sie dringen durch alle Türen.
Kommen übers Treppenhaus.
Aus einem Kind.

Ein Schrei ist Schmerz
Ein Schrei ist Trotz
Ein Schrei ist Wut
Ein Schrei ist Klage

Wo ist denn der Tatort?
Heute ist doch Polizeiruf.
Hauptsache Krimi.
Ein Kind schreit.

Wirklich.

Rubrik(en): Gedichte, les études. Veröffentlicht am 28. März 2010 um 13:30 Uhr.

Nichts muss nicht sein
Nichts längst nichts ist
Nichts muss nicht verzeihen
Nichts nicht zu verzeihen ist

Nichts wird nicht klagen
Nichts ist nichts zerronnen
Nichts stellt keine Fragen
Nichts genügt besonnen

Nichts bringt den Fall zu Fall
Nichts bringt haltendes Schweben
Nichts steht immer überall
Nichts steht nichts entgegen

Nichts ist Refugium
Nichts ist nicht echt
Nichts gibt nichts darum
Nichts gibt ihr Recht

100328

Heimgesucht

Rubrik(en): Gedichte, les études. Veröffentlicht am 26. März 2010 um 14:10 Uhr.

Wieder höre ich sie sagen
Wieder da sei nun ihr Herz
Wieder schlägt meins nach langen Tagen
Wieder fort der wilde Schmerz

Wieder fasst mich ihre Hand
Wieder greift sie sanft nach mir
Wieder spür’ ich unser Band
Wieder spür’ ich sie bei mir

Wieder wag’ ich einen Blick
Wieder blicke ich zur Seite
Wieder geht der Blick ins Weite
Wieder nur ein Missgeschick

Wieder greift die Hand ins Leere
Wieder weicht nur Luft zurück
Wieder greift mich nur die Schwere
Wieder weicht die Welt ein Stück

100326

Die Amsel

Rubrik(en): Gedichte. Veröffentlicht am 23. März 2010 um 15:26 Uhr.

Die Amsel ist gegangen
kann hier nimmer sein
so süß die Lieder klangen
sie sollten doch nicht sein.

Die Amsel ist verflogen
und mit ihr jeder Ton
Mit ihr die Lieder zogen
Was blieb dröhnt monophon.

Die Amsel nun im Himmel
geht in die Heernschar’n ein
nur eine Stimme im Gewimmel
der angenehmen Melodein

Ich sehe ihr Gefieder
doch nur als dunklen Fleck
Und ihre süßen Lieder
sind und bleiben weg

100323

Augen

Rubrik(en): Gedichte. Veröffentlicht am 13. März 2010 um 21:54 Uhr.

dunkel, schwarz fast.
ohne glanz leuchten.
sprechen, erzählen…
nichts. und doch.

100212

Collage

Rubrik(en): Gedichte, les études. Veröffentlicht am 10. März 2010 um 16:35 Uhr.
Living in a world of dreams France Joli – Come To Me
We’re fated to pretend
 
MGMT – Time To Pretend
Looking for the answer The Killers – Human
Although the words are wrong
 
Blur – The Universal
All the words have been spoken and the prophecy fulfilled Billy Joel – Got To Begin Again
Just what the truth is, I can’t say anymore
 
Moody Blues – Nights in White Satin
I’ve finally come to realize Marit Bergman – Julia
Well, everybody hurts sometimes.
 
R.E.M. – Everybody Hurts
In the gaps, inbetween words Maximo Park – Girls Who Play Guitars
Did I have to make mistakes?
 
Danny Wilson – Mary’s Prayer
For years and years and years and years The Fray – You Found Me
Wonder why the right words never come
 
Eagles – Tequila Sunrise
How long should I stay? Stars – Midnight Coward
How can I go on?
 
Freddie Mercury & Montserrat Caballé – How Can I Go On
No I don’t wanna battle from beginning to end Coldplay – Death and All His Friends
Don’t wanna fight, don’t wanna die
 
The Arcade Fire – Intervention
No i’m not sure if i could handle that Miss Li – Seems Like We Lost It
Though I battle blind.
 
Amy Winehouse – Love Is A Losing Game
I listened to the night time breeze Hercules And Love Affair – This Is My Love
Now I’m smoking cigarettes and I strive for purity
 
Tom Waits – Grapefruit Moon
On that midnight train to Georgia Gladys Knight & the Pips – Midnight Train To Georgia
I found a little piece of you
 
Miss Li – Seems like we lost it
It can warm your lonely nights Randy Crawford – You Might Need Somebody
when you are near
 
Camouflage – Love is a shield
It’s a miracle Queen – The Miracle
You will only get it once Joel Alme – You Will Only Get It Once

100208

Am Meer

Rubrik(en): Gedichte. Veröffentlicht am 15. Februar 2010 um 18:30 Uhr.

Dichter Dunst hochhängender
Wolkendecken will wohl wirklich
die so schön strahlende Sonne
ungestraft übertünchen.

Dicht drängt er eine
weiße Wolkenschicht
scheinheilig hoch
über unserm
unberührten goldgelben
Sandstrand.

Doch die
so schön strahlende Sonne
- ein ewiges Einzelkind -
kennt keine Konkurrenz

Es eilen stark-sanft-stark
wehende Winde um Übleres
- einen todtraurigen Tag etwa -
von vornherein zu zeitigen.

Ergänzend erwärmt
die so schön strahlende Sonne
das darbende Meer mit
ihrer innigen
leidenschaftlichen Liebe.

Dieses dankt ihr,
indem es eifrig
das dunstfreie Firmament feierlich
mit meisterhaft
blauer Brillanz begrüßt.

Inzwischen ist unser
unberührter goldgelber Sandstrand
von vielen Bewunderern
bevölkert.

Sie saugen jenes… ja
bisweilen Bizarre
in ihr Innerstes auf.
Möglicherweise möchte
jetzt jeder einfach eine
Bräunung bekommen.

Die mit Menschen durchdrungene
See säuselt sanft
süße Geschichten gestriger
Zeiten. Zum Zuhören kommt kaum
einer. Eigentlich wollen wir
bloß baden. Einer Erzählung
in inzwischen alt anheimelnden
Klängen kann kein Mensch mehr
folgen. Frustriert macht Meer
was wir wirklich wollen:
Wellen.

050710