Rom – vierter Tag

Veröffentlicht am 1. Februar 2007 um 11:51 Uhr
Schlagwort(e):  
Rubrik(en): Reisenotizen

Der Weg zum Tagungshotel sieht auf der Karte viel einfacher aus. Nicht nur, dass wir ständig berauf, bergab müssen, vielmehr haben wir im römischen Berufsverkehr eine Schnellstraße zu kreuzen und laufen schließlich durch ein Gewerbegebiet, dass seine besten Tage hatte, als man noch keine Bürgersteige brauchte. Die Straße ist so schmal, dass sich zwei begegnende Busse zu einem wahren Erlebnis werden. Das hält jedoch niemanden davon ab, überdurchschnittlich schnell zu fahren. Die kurvenreiche Straße und der Nervenkitzel sind wohl wie eine schriftliche Einladung für jeden Römer.
Das Hotel ist von außen recht unscheinbar, die Lobby hingegen sehr stilvoll eingerichtet. Die Tagungsräume befinden sich – standesgemäß für Informatiker – im Keller. Für die gut sechzig Tagungsteilnehmer stehen zwei AccessPoints zur Verfügung, die – wie die Internetverbindung – ständig zusammenbrechen. Die Paketverlustrate der APs beträgt etwa 20%, meine eher 80-90%. Wir behelfen uns mit einem offenen WLAN, dass außerhalb des Hotels zu Verfügung steht und wohl aus einem der Wohnblocks gegenüber kommt. Dessen Besitzer hat hoffentlich eine Flatrate.

Wir bezahlen das Tagungsgeld in der festen Überzeugung, dass man hier jemanden so über den Tisch gezogen hat, dass er am anderen Ende herunter gefallen sein muss. Diese wird bestärkt, als wir feststellen müssen, dass das Mittagessen im Hotel nicht einbegriffen ist, sondern nur die Räume, die Kaffeepausen und ein nicht näher definierter “Social Event”. In der Mittagspause brauchte ich frische Luft, da mich die ganze Situation nicht befriedigt. Die höchst ineffiziente Arbeit ergibt mit den Rahmenbedingungen ein sehr düsteres Bild.

Gegen halb sieben bringt uns ein Bus dann endlich von diesem Ort weg und die Nebel um den Social Event lüften sich ein wenig. Wir bekommen eine anderthalbstündige Führung durch die Innenstadt und gehen anschließend essen. Unterwegs müssen wir anhalten, weil das Standgas so niedrig ist, dass der Bus fast ständig absäuft. Der Fahrer schnappt sich eine Rolle Tesafilm und geht nach hinten. Eine Viertelstunde später scheint er zufrieden zu sein und wir setzen unseren Weg fort. Weitere zehn Minuten später erreichen wir unseren Ausgangspunkt. Die Führung ist erstaunlich gut und unterhaltsam. Wir ziehen durch die Gassen, queren kleinere Plätze, halten hin und wieder an, um die eine oder andere Schauergeschichte über den Ort zu hören. Irgendwie scheint Papst Clemens sehr blutrünstig und besonders verkommen gewesen zu sein, sein Name taucht sehr oft auf.

Das Restaurant ist wunderschön, das Essen sehr gut und der Hauswein fließt auch durchgehend. Zwischendruch muss einer unserer Tische geräumt werden, da die Polizei durch das Kellerfenster in den sich anschließenden Hinterhof muss, um den Lautstärkepegel des Restaurants zu messen. Mit großem Hallo verabschieden wir die Beamten in den Innenhof und unter Beifall begrüßen wir ihren Wiedereinstieg.
Gegen viertel eins ist Schluss wir sind uns einig, dass der Abend die Diskussionen und Konfusionen des Tages wettgemacht hat. Da wir direkt am Kolosseum sind, ist die Metro auch nicht weit. Allerdings fährt um diese Uhrzeit keine Bahn mehr und den Abfahrtstafeln der Busse ist lediglich zu entnehmen, dass die Haltestellen nur zwischen acht und 24 Uhr angefahren werden. Da wir davon ausgehen müssen, dass uns die Taxifahrer übers Ohr hauen werden und dass wir das Geld nicht wiederbekommen, entschließen wir uns zu einem längeren Fußmarsch. Glücklicherweise hat Sven ein TomTom in seinem Telefon und so lassen wir uns entlang der Hauptstraßen nach Hause navigieren. Am Hauptbahnhof passen wir uns dem umliegenden Viertel an, indem wir uns mit Bier versorgen. Unterwegs erleben wir ein paar skurrile Szenen: An einer Hauswand liegt ein Mann mit seiner Matraze auf dem Bürgersteig und schläft unter freiem Himmel. Keine 15 m davon entfernt, steht ein Rudel Jungrömer hinter der nächsten Ecke um ihren schicken Alfa Romeo und feiern sich. Ein wenig weiter liegen ungefähr fünf Menschen unter dem Dach einer stillgelegten Tankstelle und schlafen an einer sehr belebten Straße. Schlag zwei liege ich völlig erschöpft im Bett. Auf den letzten Metern fallen ein paar vereinzelte Tropfen vom Himmel. Was wohl der Mann von vorhin nun macht, wenn ihn der Regen weckt?

Weitere Teile dieser Serie

  1. Rom - dritter Tag
  2. Rom - erster Tag
  3. Rom - fünfter Tag
  4. Rom - sechster Tag
  5. Rom - siebter Tag
  6. Rom - vierter Tag (This post)
  7. Rom - zweiter Tag

Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar zu posten.