Das Regal

Veröffentlicht am 13. April 2011 um 22:18 Uhr
Rubrik(en): Geschichten

Windschief klammert sich das Regal an zwei Wände. Im untersten Fach stehen Kompendien zu Programmiersprachen, Datenbanksystemen, Mail- und Fileservern sowie verschiedene Wörterbücher. Sein Großvater hätte sich das angesehen und ein Motto darin erkannt. Vielleicht: Das Wichtige kommt immer zuletzt. Oder: Wissen gibt dem Leben Halt. Aber danach wäre er schon verzweifelt und kopfschüttelnd weggegangen: Die übrigen drei Regalfächer bestehen aus Sedimentschichten von Ordnern, Heftern, Flyern, Plakaten, Einkaufszetteln, Prospekten, CDs, Kabeln, Kartons und Büchern. Der feuchte Traum eines Geologen. Irgendwann gab es da mal ein System, inzwischen bräuchte es ein gehöriges Maß an forensischer Fleißarbeit, um den Ursprungszustand wiederherzustellen.

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zeit/formen

Veröffentlicht am 1. Januar 2012 um 23:57 Uhr
Rubrik(en): Gedichte, les études

etwas gestern
steckte heute
tief im morgen

versteckt offenbarte
gestern was morgen
offenbar versteckte

heute blieb
verborgen
blieb gestern

ich sah
heute anders
als ich
gestern sah

heute
wurde was
morgen
gewesen war

am ende
würde
gestern
morgen

 

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Auf dem Weg zum Zorn.

Veröffentlicht am 2. Januar 2012 um 22:06 Uhr
Rubrik(en): Gedanken, Politik, Re(e)volution, Zeitgeist

Ich sage es gleich zu Beginn: Ich bin stinksauer.

Ich bin sauer, weil wir allem Anschein nach auf einem Niveau angekommen sind, wo man sich fragt, ob die Welt spinnt oder man selbst. Und obwohl man weiß, dass es die Welt sein muss, den Kopf duckt, die Füße still und die Faust in der Tasche hält. Doch dann sind da diese kleinen Momente, in denen einem Konstantin Weckers Zeilen wieder in den Sinn kommen: »[…] trotzdem, Willy, ma muaß weiterkämpfen, kämpfen bis zum Umfalln, a wenn die ganze Welt an Arsch offen hat, oder grad deswegn.«

Ich frage mich ernsthaft, was dem Amt des Bundespräsidenten mehr schadet: Derjenige, der in einem Husarenstück ins Schloss gewählt wurde, oder etwa der Titel der aktuellen Titanic. Letzteres ist eindeutig weit jenseits der Grenze des Anstandes, doch wo ist dann der gegenwärtige Inhaber des höchsten Amtes unserer Republik auf derselben Skala zu finden?

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