8 Uhr 45
Der Wecker klingelt. Och nö. Aus.
Gestern war doch noch alles wunderbar? Warum geht es mir so dreckig? Was kann ich allein dagegen tun?
9 Uhr 30
Im Halbschlaf nehme ich noch ein bisschen Tom & Jerry mit und bin gerade wieder am Einschlafen, als mich plötzlich Durst überkommt und zu aufstehen nötigt.
9 Uhr 47
Gut. Ich bin doch nicht allein. Fabian kann schon ganze Sätze am Stück produzieren, nur mit dem Anhalten scheint es noch zu haken. Wäre das nicht toll, wenn man die Ohren einfach ausschalten könnte?
11 Uhr 18
Alles ist fertig gepackt, die Zimmer sind abgegeben: Auf in die Stadt- auf zur Schoki!
11 Uhr 35
Na was ein Zufall, wir in einem Städtchen mit berühmten Chocolatiers. Suchard ist seit 1825 im Ort, Waldner wohl auch ein Weilchen, aber nicht ganz so lange. Dafür verkauft letzterer ausschließlich, während die Jungens & Mädels von Suchard ihr Image für ein Café nutzen. Im Café isst man Kuchen und kauft keine Schoki, also wieder rüber zu Waldner.
11 Uhr 50
Der Laden ist mehr als voll und preiswert ist auch was anderes, doch Premium ist nun mal Premium. Aber die Tafelschokolade ist akzeptabel. Gehört zum unteren Preissegment. Da fehlt halt das gewisse etwas fürs Auge. In diesem Laden, vor diesem Regal kommt Fabian auf die glorreiche Idee, seine Frage an die Verkäuferin mit «ich suche nach guter Schokolade» einzuleiten.
12 Uhr 9
Von meinem letzten Bargeld habe ich Briefmarken gekauft, die teurer waren, als die dazugehörigen Postkarten, die ich Sekunden zuvor mit Karte bezahlt habe. Beides zusammen wäre irgendwie billiger geworden, aber hätte meine Bargeldbestände überreizt. Und das muss ich der Verkäuferin mit meinen dürftigen Französischkenntnissen beibiegen.
12 Uhr 37
Im Foyer unseres Hotels angekommen, machen wir ersteinmal eine Postkarten-Mit-Worten-Befüllungsaktion.
13 Uhr 7
Mühevoll schleichen wir den Berg zum Bahnhof hinauf. Bei Fabian ist die Ausdauer nun am Ende. Reden kann er aber noch wie eine Eins.
13 Uhr 17
Am Bahnhof. Haben uns der Postkarten ordnungsgemäß entledigt und treffen die griechische Kollegin am Bahnhof wieder, die fitter aussieht als wir. Fabian nimmt sie konversationstechnisch unter seine Fittiche.
13 Uhr 18
Der Hügel von gestern ist heute in Wolkenschaum versunken.
13 Uhr 37
Bezeichnenderweise heißt unser Zug Friedrich Dürrenmatt. Sein Inneres ist mit Zitaten des Künstlers verziert.
13 Uhr 53
Eine kleine Schwermut überkommt mich. Ich wäre ja so gerne noch geblieben, aber der Wagen, er rollt.
16 Uhr 43
Fünf Ausweiskontrollen später sitzen wir endlich in einem gläsernen Rondell am Gate. Flugzeuge starten und landen im gefühlten Minutentakt. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir zusätzlich noch den Flugzeugen bei ein- bzw. ausparken und den Gepäckfahrern beim Einsammeln verlorener Koffer zugucken.
17 Uhr 42
Verspätet verlassen wir die Schweiz. Es scheint, als ob sich der ganze Flughafen ein Bahn zum Starten und Landen teilt. Außerdem sind noch die Sonntagsflieger unterwegs. Hinter uns befindet sich eine Schlange von fünf Linienmaschinen. Wenn man überlegt, dass das Flugzeug vor und und wir jeweils eine Landung und einen Kleinmaschinenstart abzuwarten hatten, dann wird die letzte Maschine wohl abheben, wenn wir schon fast über Sachsen sind.
19 Uhr 30
Wir sind gelandet. Ein letztes, sechstes Mal müssen wir unsere Ausweise vorzeigen, damit wir ins Land gelassen werden. Was würde eigentlich passieren, wenn ich sagte, ich hätte meinen Ausweis unterwegs verloren oder zu Hause vergessen?
19 Uhr 44
Das ist total doof! Alle haben ihr Gepäck schon und ich nicht.
19 Uhr 45
Na endlich.
19 Uhr 49
Unsere Wege beginnen sich zu trennen. Fabian wird abgeholt, Alex nimmt die S-Bahn und ich den AirportExpress.
Weitere Teile dieser Serie
- Neuchâtel - Tag drei
- Neuchâtel - Tag eins
- Neuchâtel - Tag fünf (This post)
- Neuchâtel - Tag vier
- Neuchâtel - Tag zwei






