Gedanken, Fragen

Rubrik(en): Gedanken, Re(e)volution, Zeitgeist. Veröffentlicht am 21. August 2007 um 23:47 Uhr.

Ich glaube, wir leben zu wenig. Ich glaube, wir sind mit uns selbst zu sehr nicht im Reinen. Wir vertrauen uns selbst viel zu wenig. Und wir hören auch zu selten auf uns. Deswegen vertrauen wir Anderen mehr als uns selbst. Deswegen setzen wir auch zu viel Vertrauen in Andere. Deswegen müssen uns die Anderen zwangsläufig enttäuschen. Aber nicht die Anderen enttäuschen uns, wir enttäuschen uns selbst. Auch führt der Nicht-Glaube an uns selbst dazu, dass wir den Dingen mehr Vertrauen schenken, als uns selbst und damit mehr, als sie verdienen. Wir schufen die Dinge, damit sie unser Leben vereinfachen, und nicht dafür, dass sie es kontrollieren. Sie wurden und werden geschaffen, um uns frei zu machen. Stattdessen geben wir die Verantwortung, die wir für uns selbst tragen, an die Dinge ab, die wir schufen, in dem vermeintlichen Glauben, dass sie uns helfen. Damit schufen wir uns eine neue Abhängigkeit, damit kam erst die Zeit viel stärker in den Blickwinkel unserer Betrachtungen, unserer Denkweise und unserer Art zu leben. Wie flexibel sind wir, wenn wir uns ohne ein Telefon auf der Straße unsicher fühlen? Wie abhängig sind wir von diesem Ding, wenn wir ohne es nicht auf die Straße gehen? Geht das Leben nicht auch so weiter? Nur weil es uns die Möglichkeit eröffnet, immer und überall erreichbar zu sein, leitet sich doch daraus keine Pflicht oder gar ein Zwang ab. Sicherlich verlangsamt das die Prozesse, aber sind wir nicht das Maß aller Dinge, die wir wollen? Ist dieses immer-mehr-immer-schneller-immer-billiger wirklich das, was wir uns wünschen, oder geht es nicht vielmehr darum, dass man, wenn man diese Welt verlässt sagen kann «Ich habe gelebt»? Warum muss immer alles effektiver, effizienter sein? Sicherlich: Wir können es uns nicht mehr leisten, diese Welt und ihre Güter zu verschwenden, aber wird sie nicht vielmehr dadurch verschwendet, das wir alles und das immer sofort wollen und dass genug nie genug ist? Wenn man den Fuß vom Gas nimmt, fährt man langsamer, kommt aber entspannter ans Ziel. Außerdem verbraucht man weniger. Sollten wir nicht auch so leben? Vielleicht könnten wir dann nicht so viel besitzen, aber wären wir dann nicht reicher. Wohin führt uns dieser ewige Dauerlauf nach vorn? Kommt man nicht auch gehend ans Ziel?

In unserer zivilisierten Welt ist doch einiges an Unmenschlichem zu viel und vieles, was uns umgibt, lässt sich als Spiegelbild unserer Seelen nutzen. Wir brauchen nur aus dem Haus zu gehen und zu schauen. Entsprechen Häuser, in denen hunderte Menschen wohnen oder arbeiten dem Begriff «human»? Wieso zwingen wir uns, zu bestimmten Zeiten an einem Ort zu sein, um eine Tätigkeit auszuüben, die wir in gleichem Maße auch in einem Park oder in einem Bett ausüben könnten? Muss unsere Welt immer nach Vernunft und Sachlichkeit funktionieren?

Muss denn jede Gelegenheit, die existiert auch genutzt werden, weil man befürchtet, sie käme nie wieder?

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