Aufwachen

Rubrik(en): Geschichten, les études. Veröffentlicht am 14. Februar 2011 um 8:30 Uhr.

Sie liegt auf meiner linken Seite, ihr linkes Bein um mich geschlungen und schläft. Ihr Fuß kühlt mein Wade; es ist schwül unter der Decke. Eine Strähne lugt unter ihrem Gesicht hervor, eine weitere hängt von oben herunter. Die Finger ihrer linken Hand schauen aus meiner rechten heraus und tippen leicht auf meinem Handrücken herum. Sie wacht auf: Ihre Zehen tippen im Takt der Finger. Mehr davon »

Spät, aber immerhin.

Rubrik(en): Gedanken, Politik. Veröffentlicht am 9. Februar 2011 um 12:16 Uhr.

Ja, ich weiß: Jahresrückblicke werden im Dezember gemacht. Mir doch egal. Die Chinesen feiern auch erst jetzt und da regt sich auch keiner auf. Gut, vielleicht liegt’s ja daran, dass die mehr Einwohner haben als die EU, die USA und Russland zusammen. (Daran würde selbst eine eingebürgerte Türkei nichts ändern.) Außerdem war 2010 bei denen das Jahr des Tigers und das klingt schon irgendwie verwegen. Andererseits überkommt mich ein lasches Gefühl, wenn ich an 2010 denke. Auf meine gefühlte Jahres-Hitliste hat es es jedenfalls nicht geschafft. Vielleicht wird alles besser, wenn ich mir die Monate einzeln vornehme. Mehr davon »

Zu den Revolutionen in Nordafrika und im Nahen Osten

Rubrik(en): Gedanken, Politik. Veröffentlicht am 28. Januar 2011 um 20:17 Uhr.

Der Gegensatz zwischen Nord und Süd könnte im Augenblick nicht größer sein. Während der Norden damit beschäftigt ist, ganzheitliche Konzepte zum Erhalt des eigenen Wohlstandes zu erarbeiten, ist der Süden in Aufruhr. Das letzte Jahrzehnt war ein südamerikanisches, das aktuelle ist bereits jetzt arabisch. Nachdem uns die Herrschaft der Taliban in den 1990ern und Al-Kaida seit dem 11. September 2001 die Rückständigkeit der anderen Religion1 vor Augen geführt und uns so in Angst und Schrecken versetzt hatten, dass wir unsere edlen Prinzipien verdrängten, werden wir nun eines Besseren belehrt. Was im Juni 2009 in Teheran begann2, setzt sich nun weiter fort: Menschen gehen auf die Straße, um ihre universellen Rechte und Freiheiten einzufordern. Mehr davon »

Wiedersehen

Rubrik(en): Geschichten, les études. Veröffentlicht am 31. Dezember 2010 um 20:14 Uhr.

Ich sitze in der letzten Tube und will nur noch nach Hause. Es reicht für heute.  ›Bevor du dich nur wieder sinnlos betrinkst, kannst du auch nach Hause gehen‹, sagte ich mir. Jetzt will ich meine Ruhe und schotte mich mit Kopfhörern ab. Nur ganz von fern dringen Geräusche der Außenwelt in meinen Klangraum ein: Die nächste Station wird angesagt, Türen gehen auf, das Warnsignal ertönt, Türen schließen sich. Mit einem leichten Ruck fährt der Zug an und ich bin wieder allein.

Gedankenverloren schaue ich auf das Gegenüber, das an der letzten Station eingestiegen ist: Mehr davon »

Mit offenen Karten.

Rubrik(en): Geschichten, les études. Veröffentlicht am 1. November 2010 um 13:48 Uhr.

»Grün.« »Grün?« »Ja was soll ich machen?« »Gut, dann spielen wir Grün. Grün scheißt die Ente, wenn’s Gras lang ist.« »Also ich weiß nicht, wie’s dir geht…« »Spritzen?« »Naja, ich kann nichts sagen, ich war mit 17½ draußen.« »Da muss ich wohl wieder. Wer ist vorn?« »Frank.« »Hmmm, dann lass mich erstmal nachdenken.« »Bis ihr zwei Heinze in die Gänge kommt, bin ich schon wieder nüchtern. Ich hole mir ein Bier.« »Also dafür gibt’s aus Prinzip eine Spritze für Dich. Und ein Bier für mich.« »Frank, Du sag mal, wo Du grad stehst, bei mir ist ganz schön viel Luft in der Flasche.« Mehr davon »

Im Matratzenschein

Rubrik(en): Gedichte, les études. Veröffentlicht am 2. September 2010 um 22:30 Uhr.

Im Matratzenschein liebten wir uns
Ich hier, Du dort.
Dazwischen: eine Lichtung.
Wie blutrünstige Schmetterlinge
gewitterten wir durch die schwangere Luft
Deine Brombeerbrust wellte mir entgegen
An einem sonnigen Hügel kam ich plötzlich
zum Stehen.
Ich hielt inne,
Du schautest innig herüber
Ja? fragte ich hin
Ja! befehltest Du zurück
Kein Priester weit und breit – zum Glück!
Ich war von Deinen Sinnen
Am Ende alles still
Nur von Weitem Sterne
sich ächzend liebkosend.

100722

Ohne besondere Vorkommnisse

Rubrik(en): Gedichte. Veröffentlicht am 26. August 2010 um 20:00 Uhr.

ohne besondere vorkommnisse
nicht der rede wert
nur ein paar zettel
wurden bekritzelt

ohne besondere vorkommnisse
nichts wesentliches
nur eine duftspur
und ein paar haare

ohne besondere vorkommnisse
nichts von belang
nur eine kleine weile
im groben und ganzen

ohne besondere vorkommnisse
nichts von dauer
nur eine kleine traurigkeit
die nicht gehen will

ohne besondere vorkommnisse
nichts um ein herz zu beweinen
nur ein kleines fehlen
deiner augen in meinem blick

100825

Herbstgedicht

Rubrik(en): Gedichte, les études. Veröffentlicht am 24. August 2010 um 21:46 Uhr.

fahles Licht klatscht ans Fenster
Wind treibt Faltblätter
düster schimmert Regen
Fäulnis im Blumentopf

Riesen im Wald
im Halbdunkel schwanken
müde ihre Schatten
Einsamkeit stählt nicht

Heißer Tee dampft
Honig tropft golden
sinkt langsam abwärts
löst sich auf

hilfloses Warmwasser
gurgelt unterm Fenster
müde verschwindet
grauverschleierte Sonne

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»Entscheidend ist, was hinten rauskommt.«

Rubrik(en): Gedanken, Politik. Veröffentlicht am 1. Juli 2010 um 2:39 Uhr.

Ein großer Tag, ein spannender Tag, dieser 30. Juni 2010. Drei Wahlgänge, deren Ergebnisse einzeln betrachtet wie kleine Erdbeben dem politisch Interessierten durch Mark und Knochen gingen. Ein Tag, an dem der von den Medien aufgebaute Spannungsbogen fast zerbrach.

Was bisher geschah…

Altbundespräsident Köhler – als ehemaliger Chef des Internationalen Währungsfonds ein ausgewiesener Fachmann für Finanz- und Wirtschaftsfragen – ist in der aktuellen Krise fast kaum wahrnehmbar. Einerseits weil er sich kaum einmischt, anderseits weil auf seine Kompetenz aus dem Kanzleramt offenbar nicht zurückgegriffen wird. Er ist frustriert. Mehr davon »

betrieben

Rubrik(en): Gedichte, les études. Veröffentlicht am 15. Juni 2010 um 9:45 Uhr.

treiben verfängt sich schweben
schweigen verstummt alles
worte stehen lose

schatten folgen schattenfolgen
wege flüchten den schatten
verfluchte schattenflucht

sonniges versteck
hinterm mond
kalt, klar, nüchtern
und doch: licht.

gemütliche neonröhren
schlagen aufs gemüt
ein. mal will ich sein
ohne zu schweigen